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Autor:   Dr. Gottfried Briemle, Karin Speck, P.D. Dr. Martin Elsäßer und Rolf Hess

Moosverdrängung am besten mit ordnungsgemäßer Mineraldüngung

Vorbemerkung
Entwicklung des Moosbesatzes bei unterschiedlicher Düngung
Fazit
Ausführliche Literatur

 

Im Zuge extensiverer Bewirtschaftung vieler Grünlandflächen in baden-württembergischen Mittelgebirgen kam es in der Vergangenheit auch zu einem Anstieg der Vermoosung. Nach allgemeiner Kenntnis entwickeln sich Moose auf Grünland in erster Linie dann, wenn die mit ihnen um Platz und Nährstoffe konkurrierenden Grünlandpflanzen in ihrer Konkurrenzkraft gehemmt sind. Falls nicht gravierende standörtliche Mängel vorliegen (z. B. Nässe oder starke Beschattung etc.), ist meist mangelhafte Düngung dafür ausschlaggebend. Um der landwirtschaftlichen Praxis erneut die Kausalitäten im Hinblick auf die Moosentwicklung aufzuzeigen und um mpfehlungen zur moosverdrängenden Düngung anbieten zu können, führte die LVVG in Zusammenarbeit mit einigen Regierungspräsidien und Ämtern für Landwirtschaft (ÄLLB) zwischen 1994 und 1998 im Südschwarzwald wie auch auf der Schwäbischen Alb entsprechende Versuche durch. Nach Auswertung der Daten werden hiermit die wesentlichen Ergebnisse vorgelegt.

Für die Untersuchungen wurden insgesamt sieben Standorte im Südschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb ausgewählt auf denen eine starke Vermoosung zu beobachten war.

Aus Gründen besserer Erkennbarkeit wurde die Bonitur der Moosschicht stets vor Vegetationsbeginn vorgenommen. Im Gegensatz zu der im Grünland-Versuchswesen üblichen Massenprozent-Schätzung (Ertragsanteile) nach der Methode von Klapp (1930) kam in diesem Fall die Deckungsgrad-Schätzung nach Braun-Blanquet (1964) zur Anwendung. Tabelle 1 sowie die Abbildung 1 und Abbildung 2 verdeutlichen die der Moos-Deckungsgrade.

Abbildung 1: Abnahme der Moos-Deckung (%) zwischen 1994 und 1998 (Mittel über alle Standorte)

Entwicklung der Moos-Deckungsgrade (Mittelwerte aus 7 Standorten)

Düngungsvariante

1994

95

96

97

1998

Mittel

Ø

d

Ø

d

Ø

d

Ø

d

Ø

d

Ø

d

V 1 Keine Düngung

59

26

55

24

59

22

55

27

55

31

57

2

V 2 GD + CaCN2

60

22

40

22

36

29

32

28

30

29

40

12

V 3 GD + 5 dt CaO

61

25

46

23

42

27

37

26

36

25

44

10

V 4 GD + 10 dt CaO

60

25

45

22

37

26

33

25

35

25

42

11

V 5 MD ordnungsgemäß

65

25

47

14

22

18

19

22

20

26

35

21

V 6 MD nach MEKA

61

27

50

19

36

29

26

30

27

27

40

15

GD = Grunddüngung, MD = Mineraldüngung, Ø = arithmetisches Mittel, d = Standardabweichung

GD = Grunddüngung, MD = Mineraldüngung

Abbildung 2: Düngungsabhängige Entwicklung der Moosanteile während der Untersuchungsperiode

Im Hinblick auf die Beantwortung der Frage, inwiefern sich die jeweilige Düngung auf verschiedene Pflanzengesellschaften auswirkt, läßt sich die untenstehende Rangfolge aufstellen. Sollen die Ergebnisse auf andere Standorte und Pflanzenbestände übertragen werden, ist dies nur dann möglich, wenn auf die Pflanzengesellschaften Bezug genommen wird. Für jede einzelne der 7 Gesellschaften wiederum ergibt sich die folgende, nach hinten abnehmende moosverdrängende Wirkung der Düngevarianten V 2 bis V 6:

Schweizer Löwenzahn - Borstgrasweide (Leontodonto helvetici - Nardetum); mittlere Bestandes-Nährstoffzahl (mN) = 3,0; hier: Wiedener Eck (Schwarzwald): V 5, 2, 3, 4, 6. Unter Null-Düngung (V 1) stieg der Moosbesatz um 9 %.

Hornkleereiche Rotschwingel-Flügelginsterweide (Festuco - Genistelletum Subassoziation mit Lotus corniculatus); mN = 3,8; hier: Zell-Atzenbach (Schwarzwald): V 5, 6, 4, 2, 3. Unter Null-Düngung (V 1) stieg der Moosbesatz um 13 %.

Bergrispenreiche Goldhaferwiese (Trisetetum Subass. mit Poa chaixii); mN = 5,4; hier: Wieden-Graben (Schwarzwald): V 5, 6, 4, 2, 3. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 45 % zu.

Bärwurzreiche Goldhaferwiese (Trisetetum Subass. mit Meum athamanticum); mN = 5,5; hier: Bernau (Schwarzwald): V 5, 2, 3, 6, 4. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 36 % ab.

Kleereiche Goldhaferwiese (Trisetetum Subass. mit Trifolium repens und - pratense); mN = 5,7: hier: Titisee-Neustadt (Schwarzwald): V 5, 2, 6, 4, 3. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 18 % ab.

Labkrautreiche Berg-Glatthaferwiese (Arrhenatheretum montanum Subass. mit Galium album); mN = 5,8; hier: Unterkochen-Glashütte (Schwäbische Alb): V 5, 4, 2, 3, 6. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 2 % ab.

Weißkleereiche Berg-Glatthaferwiese (Arrhenatheretum monanum Subass. mit Trifolium repens); mN = 6,4; hier: Wilsingen (Schwäbische Alb): V 3, 2, 5, 4, 6. Unter Null-Düngung (V 1) nahm der Moosbesatz um 36 % ab.

mN = mittlere Nährstoffverfügbarkeit als Vergleichszahl für die Produktivität eines Bodens in einer 9-teilgen Skala.

Unter den 6 Versuchsvarianten ergibt sich schließlich folgende, nach unten abnehmende Reihenfolge der moosverdrängenden Wirkung :

Ordnungsgemäße Mineraldüngung (= Variante 5)

Mineraldüngung nach MEKA (= Variante 6)

Grunddüngung + Kalkstickstoff (= Variante 2)

Grunddüngung + 10 dt/ha Branntkalk (= Variante 4)

Grunddüngung + 5 dt/ha Branntkalk (= Variante 3)

Keine Düngung (= Variante 1)

Versuchsbericht der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung und Grünlandwirtschaft, Aulendorf, 23 Seiten.