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Autor: Dr. Gottfried Briemle

Erprobung standortgerechter Blumenwiesen-Mischungen mit unterschiedlichen Krautanteilen

Vorbemerkung

Zusammensetzung der Mischungen

Ergebnisse

Ausführliche Literatur

 

 

Der Beratungsbedarfs der Kommunen und Landkreise hinsichtlich geeigneter Ansaatmischungen für Blumenwiesen, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Es stellte sich immer wieder die Frage, wie hoch der (kostspielige) Kräutanteil bei Extensivgrünland-Mischungen sein muß, damit sich in kurzer Zeit bunte Blumenwiesen erzeugen lassen.

Um diesem Problem nachzugehen wurden im Mai bzw. Juni 1995 an drei Standorten (Alb und Alpenvorland) entsprechende Mischungen (Tabelle 1-3) mit einheitlichen Saatstärken von 20 kg/ha (= 2,0 g/m2) angesät, und der Erfolg im Jahr darauf über Vegetationsaufnahmen kontrolliert.

Tabelle 1: Mischung für maßig trockene bis trockene Standorte

Arten

Ansaat

Erfolg

M 1

M 2

M 3

K 1

K 2

K 3

Aufrechte Trespe

48

43

38

1

1

1

Glatthafer

26

23

20

54

43

39

Rotschwingel

13

11

10

1

2

2

Goldhafer

3

3

2

3

3

3

andere, nicht angesäte Arten

-

-

-

11

11

10

Gräser-Anteil:

90

80

70

70

60

55

Esparsette

3

7

10

6

8

8

Acker-Witwenblume

1,1

3

4

+

+

+

Hufeisenklee

2

3

4

-

-

-

Margerite

1

2

3

8

11

15

Wundklee

1

2

3

8

10

10

Skabiosen-Flockenblume

1

1,1

2

-

-

-

Wiesen-Flockenblume

0,5

1

2

+

+

1

Echtes Labkraut

0,3

0,8

1,8

+

+

+

Gewöhnlicher Dost

0,1

0,1

0,2

+

+

+

andere, nicht angesäte Arten

-

-

-

8

11

11

Kräuter-Anteil:

10

20

30

30

40

45

Angaben in % Saatstärke bzw. Ertragsanteile; M = Mischung; K = Kontrolle
Preis der Mischung mit 30 % Kräutern: 90,-DM/Ar

 

Tabelle 2: Mischung für bodenfrische Standorte

Arten

Ansaat

Erfolg

M1

M2

M3

K 1

K 2

K 3

Glatthafer

32

29

25

39

39

32

Wiesenschwingel

22

20

17

15

15

10

Knaulgras

13

11

10

5

8

5

Rotschwingel

13

11

10

-

-

-

Aufrechte Trespe

6

6

5

+

+

+

Goldhafer

4

3

3

3

2

1

andere, nicht angesäte Arten

-

-

-

13

6

12

Gräser-Anteil:

90

80

70

75

70

60

Vogelwicke

3

6

9

-

-

-

Wiesen-Bocksbart

2

4

5

1

1

3

Wiesen-Storchschnabel

1

2

4

-

-

-

Große Bibernelle

1

2

3

-

-

-

Hornschotenklee

1

2

3

7

10

12

Margerite

0,7

1,2

2

5

5

4

Wiesen-Flockenblume

0,6

1,3

2

1

3

5

Großer Sauerampfer

0,3

0,7

1

-

+

+

Wiesen-Pippau

0,3

0,7

1

5

3

7

Wiesen-Glockenblume

0,1

0,1

0,1

-

-

-

andere, nicht angesäte Arten

-

-

-

6

8

9

Kräuter-Anteil:

10

20

30

25

30

40

Preis der Mischung mit 30 % Kräutern: 75,-DM/Ar

 

Tabelle 3: Mischung für feuchte bis nasse Standorte

Arten

Ansaat

Erfolg

M 1

M 2

M 3

K 1

K 2

K 3

Wiesenfuchsschwanz

26

23

20

10

5

3

Wiesenschwingel

23

21

18

25

30

24

Glatthafer

19

17

15

35

28

24

Rotschwingel

19

17

15

1

1

1

Goldhafer

3

2

2

+

+

 

andere, nicht angesäte Arten

 

 

 

19

16

18

Gräser-Anteil:

90

80

70

90

80

70

Wiesen-Knöterich

2

5

7

-

-

-

Sumpf-Schotenklee

2

3

4

+

+

+

Bach-Nelkenwurz

1

2

3

-

-

-

Großer Wiesenknopf

1

2

3

-

-

-

Rote Tag-Lichtnelke

1

2

3

2

8

11

Trollblume

1

2

3

-

-

-

Kohl-Kratzdistel

0,6

1

2

-

-

+

Wiesenschaumkraut

0,6

1

2

-

-

-

Große Bibernelle

0,4

1

1,5

-

-

-

Kuckucks-Lichtnelke

0,4

1

1,5

-

-

-

andere, nicht angesäte Arten

 

 

 

8

12

19

Kräuter-Anteil:

10

20

30

10

20

30

Preis der Mischung mit 30 % Kräutern: 200,-DM/Ar

 

Bei der Auswahl der Ansaatflächen wurde darauf geachtet, daß die Grundstücke bisher unter Ackernutzung lagen. Dies sollte ausschließen, daß potentiell vorhandene Samen und andere Diasporen aus vorausgegangenen Grünlandepochen ebenfalls auflaufen und somit das Ansaat-Experiment verfälschen.

Wie das Tabellenwerk zeigt, konnte sich auf dem trockenen Standort (Alb) die Aufrechte Trespe als typisches Gras der Kalkmagerrasen trotz Anteilen an der Saatstärke um 40-50 % spontan nicht etablieren. Auch der Rotschwingel scheint selbst bei allgemein reduzierter Saatstärke hier nicht konkurrenzkräftig genug zu sein. Spontan kamen dagegen nicht-angesäte Arten wie Rotklee und Saat-Luzerne auf. Beim frischen Standort (Altmoräne) konnten weder Rotschwingel, Storchschnabel , Bibernelle noch Glockenblume im Bestand wiedergefunden werden. Dagegen erschienen spontan: Lieschgras , Rotklee , Weißklee und Zaunwicke . Auf der nassen Fläche (Altmoräne) ließen sich mit Ausnahme der Roten Tag-Lichtnelke keine der angesäten Kräuter nachweisen. Die Gräser sind jedoch alle präsent. Das Fehlen der Naßwiesenkräuter aus dem Verband der Dotterblumenwiesen (Calthion) zeigt, wie schwer es ist, solche Kräuter überhaupt neu zu etablieren.

Die zwar erst jungen Erfahrungen aus diesen Ansaatbeispielen lassen vermuten, daß einerseits gewisse Pflanzenarten nur auf dem Etikett vorhanden sind, andererseits aber bewährte und billige "Allerwelts-Arten" unverlangt den Mischungen zugesetzt werden. Die künftige Beobachtung der Pflanzenbestände wird zeigen, ob und inwieweit diese Vermutung zutrifft, oder ob die Pflanzen des extensiven Grünlandes mit der Zeit doch noch erscheinen.

 

Briemle, G. 1996: Ansaat von Blumenwiesen. - Tätigkeitsbericht 1996 der Lehr- und Versuchsanstalt Aulendorf: 90-93