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Einsatz von Siliermitteln in ökologisch wirtschaftenden Betrieben

Dr. Hansjörg Nußbaum, LVVG Aulendorf

 

Grundfutterqualität entscheidend

Biologisch wirtschaftende Betriebe sind mehr noch als konventionelle Milchviehbetriebe auf gutes Grundfutter angewiesen, weil der Einsatz von Kraftfutter beschränkt und teuer ist. Die Gärprozesse und folglich die Regeln zur guten Silagebereitung sind unabhängig von der Art der Bewirtschaftung. Das bedeutet, dass vom Pflanzenbestand über das physiologische Entwicklungsstadium bis hin zum optimalen Anwelkgrad, Häckselqualität, Verdichtung und Siloabdeckung die gleichen Bedingungen und Empfehlungen gelten. Unterschiede sind teilweise im Pflanzenbestand und vor allem beim Einsatz von Silierzusätzen gegeben.

Material und Methoden

Silierversuch

Auf einem Milchviehbetrieb bei Schwäbisch Hall, der nach Demeter-Richtlinien wirtschaftet, wurde der erste Aufwuchs einer vierschürigen Dauerwiese als Anwelkgut am 11. Mai 2001 in 1,5-Liter-Weckgläser einsiliert. Als Siliermittel kamen Melasse (25 kg/t FM), gequetschtes Getreide (35 kg/t FM), homo- und heterofermentative Milchsäurebakterien (MSB), jeweils alleine oder in Kombination mit Melasse oder Getreide, zum Einsatz. Als Kontrolle dienten die unbehandelte Variante sowie die Zudosierung einer Säuremischung (4 l/t FM), bestehend aus Ameisen- und Propionsäure. Das Erntegut ist in Tabelle 1 dargestellt. Aufgrund der Ernte von physiologisch jungem Aufwuchs sowie dem Anwelken auf 39 % TM war das Erntegut sehr gut silierbar (VK>45). Nach 90 Tagen Gärdauer bei 18-20 °C wurden die Silagen ausgelagert und zur Untersuchung des Futterwertes, der Gärqualität und aeroben Stabilität aufgeteilt. Die Untersuchung erfolgte analog der Vorgehensweise bei der DLG-Siliermittelprüfung. Die Gärverluste wurden über regelmäßige Wägungen der Weckgläser ermittelt.

Tabelle 1: Merkmale des Ausgangsmaterials hinsichtlich 
                    Futterwert und Siliereignung

Parameter

Einheit 

     Wert      

TS-Gehalt 

%

39,00

Rohprotein

% i. TM 

14,70

Rohfaser 

% i. TM 

23,40

Rohasche

% i. TM 

10,50

Energie NEL

MJ/kg TM 

   6,16

Vergärbare Zucker (Z) 

% i. TM 

11,10

Pufferkapazität (PK)

g MS bis pH 4,0 

   6,50

Z/PK - Verhältnis 

 

   1,70

Vergärbarkeitskoeffizient (VK) 

VK = TM + 8 x Z/PK

  52,70

Ergebnisse

Gärverluste und Futterwert nach 90 Tagen Gärdauer

Die Silierzusätze wirkten sich nur unwesentlich auf den Futterwert der Silagen aus (Tabelle 2). Ausnahme bilden die Varianten mit heterofermentativen MSB, bei denen sich die signifikant höheren Gärverluste (Abbildung1) sowohl in höheren Rohfaser- als auch in niedrigeren Energiegehalten niederschlugen.

Tabelle 2: Futterwert der Silagen nach der Auslagerung *

Variante

TMk

XP

XF

XA

NEL

 

%

 

% i. TM

 

MJ/kg TM

Melasse

40,5 ab

15,5 cd

22,4 ed

9,1 ab

6,08 ab

Getreide

40,3 bc

15,2 d

22,8 cde

8,8 b

6,13 ab

MSBhomo

39,2 cd

15,6 c

24,0 bc

9,9 ab

6,07 ab

MSBhetero

36,8 f

16,2 a

25,9 a

10,4 ab

5,69 c

MSBhomo + Melasse

40,5 ab

15,6 c

22,2 e

10,2 ab

6,14 ab

MSBhomo + Getreide

41,7 a

15,2 d

21,9 e

9,9 ab

6,23 a

MSBhetero + Melasse

38,8 de

16,1 ab

23,7 bcd

10,5 a

6,00 b

MSBhetero + Getreide  

39,6 bcd

15,8 cd

24,4 b

9,5 ab

5,99 b

Säure

37,6 ef

16,1 ab

23,0 bcde

9,8 ab

6,08 ab

Kontrolle

38,9 d

15,4 cd

24,4 b

9,4 ab

6,00 b

GD 5 %

1,24

0,42

1,38

1,61

0,18

* ungleiche Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede bei a = 0,05

Die Zudosierung von Melasse und Getreide wirkte sich in höheren Energie- sowie aufgrund von „Verdünnungseffekten" in niedrigeren Rohfaser- und Rohaschegehalten aus. Homofermentative MSB bewirkten, alleine oder zusammen mit Melasse oder Getreide, höhere Energiegehalte, wenngleich der Effekt nur in Kombination mit Getreide signifikant war.

Abbildung 1: Gärverluste (%) in der 90-tägigen Gärphase

Die unbehandelten Silagen waren mit einem pH-Wert von 4,5 und 6,3 % i. TM Milchsäure gut vergoren. Die Restzuckergehalte von 5,8 % i. TM bestätigen die für die Vergärung ausreichende Versorgung mit Kohlenhydraten. Der Einsatz homofermentativer MSB wirkte sich unabhängig, ob mit oder ohne Zusatz von Melasse oder Getreide, über signifikant höhere Milch- und niedrigere Essigsäuregehalte auch senkend auf den pH-Wert aus. Demgegenüber wiesen die mit heterofermentativen MSB behandelten Grassilagen signifikant weniger Milch- und höhere Essigsäuregehalte auf. Diese Varianten hatten auch signifikant höhere Alkoholgehalte sowohl in Form von Ethanol als auch Propandiol. Die letztere Form ist ein typisches Fermentationsprodukt der heterofermentativen Lactobacillus buchneri-Stämme des zugesetzten Siliermittels. Die Zudosierung von Kohlenhydraten über Melasse oder Getreide hatte keinen Einfluss auf den Gärverlauf, erhöhte jedoch die Restzuckergehalte in den Silagen. Säure in Form von Ameisen- und Propionsäure hatte auf die Gärung aufgrund des gut silierbaren Ausgangsmaterials keine Effekte, wenngleich die Propionsäuregehalte (nicht dargestellt) signifikant höher waren.

Aerobe Stabilität der Grassilagen nach der Entnahme

Tabelle 3: Gärqualität der Silagen nach der Auslagerung

Variante

   pH   

   Milch-   
säure

   Essig-   
säure

 Propan- 
diol

   Etha-   
nol

  Zucker  

 

% i. TM

Melasse

4,6 c

6,7 c

3,8 ab

0,0 c

0,3 b

10,4 a

Getreide

4,5 d

6,5 cd

3,8 ab

0,0 c

0,4 b

6,5 b

MSBhomo

4,2 e

9,6 a

1,4 d

0,0 c

0,3 b

4,4 d

MSBhetero

4,7 a

2,9 g

2,5 c

2,9 a

0,9 a

0,1 f

MSBhomo + Melasse

4,2 e

8,9 b

1,3 d

0,7 b

0,3 b

5,7 bc

MSBhomo + Getreide

4,2 e

8,7 b

1,3 d

0,0 c

0,4 b

4,7 cd

MSBhetero + Melasse

4,5 d

4,7 e

4,6 a

0,9 b

0,7 a

2,1 e

MSBhetero + Getreide   

4,7 b

3,7 f

4,6 a

0,8 b

0,9 a

0,8 ef

Säure

4,5 d

6,0 d

2,7 c

0,1 c

0,3 b

6,0 b

Kontrolle

4,5 d

6,3 cd

3,3 bc

0,0 c

0,4 b

5,8 bc

GD 5 %

0,05

0,67

0,87

0,25

0,24

1,29

* ungleiche Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede bei a = 0,05

Nach Auslagerung der Silagen waren diese unter Lufteinfluss über sechs Tage hin aerob stabil (Abbildung 2). Danach erwärmten sich die Varianten mit homofermentativen MSB, unabhängig ob alleine oder in Kombination mit Melasse oder Getreide zudosiert, schneller als die Kontrolle. Als aerob instabil gelten Silagen, sobald die Temperatur diejenige der Umgebung um mehr als 1,5 °C überschritten hat. Die mit heterofermentativen MSB behandelten Grassilagen waren auch in Kombination mit zusätzlichen Kohlenhydraten über 11 Tage ohne Erwärmung und demzufolge sehr stabil. Ähnliches gilt für die Säurevariante, wobei hier der bekannte stabilisierende Effekt der Propionsäure erkennbar war. Die alleinige Zugabe von Melasse oder Getreide ergab gegenüber der Kontrolle kein wesentlich anderes Nacherwärmungsverhalten.

Abbildung 2: Temperaturentwicklung der Silagen nach der Entnahme

Zusammenfassung

Durch die Ernte physiologisch junger Wiesenbestände im Stadium Ähren-/ Rispenschieben konnten im vorliegenden Versuch aufgrund ausreichender Zuckergehalte und folglich guter Vergärbarkeit auch ohne Silierzusätze Grassilagen mit gutem Futterwert und Gärqualität erzeugt werden.

Da für die Fermentation genügend vergärbare Kohlenhydrate vorhanden waren, hatte die Zudosierung von Melasse oder Getreide wenig Einfluss auf den Gärverlauf und die Gärqualität. Die zugesetzte Energie wurde zwar in den Silagen wieder gefunden, könnte jedoch genau so gut und ohne Risiko einer Fehlgärung direkt im Futtermischwagen bei der Fütterung zugesetzt werden.

Der Einsatz homofermentativer Milchsäurebakterien (MSB) wirkte sich sowohl bei alleiniger Zugabe als auch in Kombination mit Melasse oder Getreide positiv auf den Gärverlauf, Futterwert und Gärqualität aus. Aufgrund signifikant höherer Milch- und demgegenüber verminderter Essigsäuregehalte in Verbindung mit hohen Restzuckergehalten war allerdings die aerobe Stabilität nach etwa 6 Tagen Überlagerung unter Lufteinfluss schlechter als in der Kontrollsilage. Demzufolge ist der Einsatz homofermentativer MSB nur bei gutem Management und ausreichendem Entnahmevorschub zu empfehlen. Der erwünschte Effekt heterofermentativer MSB in Form von besserer aeroben Stabilität wurde aufgrund vermehrter Bildung von Essigsäure und Propandiol erreicht. Allerdings hatten diese Silagen, auch in Kombination mit Melasse oder Getreide, erhöhte Gärverluste und demzufolge verminderte Energiegehalte zur Folge.

Der Einsatz von Säuren in Form von Ameisen- und Propionsäure wirkte sich aufgrund optimaler Gärbedingungen nicht auf Futterwert und Gärqualität der Silagen aus. Einzig der bekannte, stabilisierende Effekt der Zudosierung von Propionsäure war zu beobachten.

Stand: 04.11.2002