Infodienst Landwirtschaft - Ernährung - Ländlicher Raum Login  


Steinkrebs (Austropotamobius torrentium)

Autor P. Dehus
Allgemeines, Lebensweise © R. Berg

Der Steinkrebs ist die kleinste einheimische Krebsart. Er erreicht nur selten eine Länge von mehr als 8 cm. Er kommt bevorzugt in den kleineren Fließgewässern vor, wo er sich gerne in schneller strömenden Abschnitte aufhält. Voraussetzung für eine erfolgreiche Besiedlung ist ein stabiles Substrat, das auch bei Hochwasser nicht in Bewegung gerät. Im Gegensatz zum Edelkrebs sucht er sich seine Verstecke unter größeren Steinen. Gelegentlich kommt er auch in höher gelegenen Seen vor; dort hält er sich dann bevorzugt im Uferbereich auf.

Verbreitung

Der Steinkrebs kommt besonders im Schwarzwald und im Alpenvorland (Oberschwaben) sowie im Bereich des Schwäbisch-Fränkischen Waldes und des Hohenloher Landes vor. Auch im Albvorland und im Schönbuch südlich und nördlich des oberen Neckars sind Verbreitungszentren vorhanden.

Gefährdung und Schutz

Der Steinkrebs war und ist von der Krebspest nicht im gleichen Maße betroffen wie der Edelkrebs. Exotische Krebse dringen in kleine Fließgewässer mit ihrer hohen Strömungsgeschwindigkeit oft nicht vor, sodass die dortigen Steinkrebs-Bestände vor Infektionen mit dem Krebspest-Erreger einigermaßen sicher sind. Trotzdem muss sehr genau darauf geachtet werden, dass keine fremden Arten bei uns ausgesetzt werden.

Die aktuelle Gefährdung vorhandener Steinkrebs-Bestände geht von zu intensiven Nutzungsansprüchen an unsere Fließgewässer aus. Veränderungen an den Gewässern können unbeabsichtigt Krebsbestände gefährden, wenn das Vorkommen selbst unbekannt ist. Uferabbrüche und Einträge von Sand oder Lehm können zu Beeinträchtigungen führen. Diese Gefahrenpotentiale lassen sich über einen Biotopschutz weitgehend auffangen. Besondere Vorsicht ist bei der Verwendung von Insektiziden in Gewässernähe geboten, da Krebse als Gliederfüßer auf diese Mittel besonders empfindlich reagieren. Wahrscheinlich sind zahlreiche, scheinbar unerklärliche Krebssterben auf die unsachgemäße Verwendung von Insektiziden zurückzuführen.

Die fischereiliche Bewirtschaftung von Fließgewässern, in denen Steinkrebse vorkommen, sollte rücksichtsvoll durchgeführt werden. Flusskrebse sind bei Elektrobefischungen besonders gefährdet, da sie beim Einschalten des elektrischen Stromes oftmals ihre Scheren oder Beine abwerfen. Das Einsetzen von Aalen in stehende Gewässer kann dazu führen, dass sie in angrenzende Bäche einwandern und Steinkrebs-Bestände zu stark reduzieren.

Wiederansiedlungen von Steinkrebsen durch gezielte Besatzmaßnahmen sind zwar generell denkbar, müssen aber im Einzelfall sorgfältig geprüft werden. Viele Gewässer, in die Steinkrebse eingesetzt werden, sind ungeeignet. Zu oft ist ein sehr hoher Fischbestand vorhanden, der den Erfolg von Besatzmaßnahmen dann zunichte macht. In Gewässer, in denen bereits Krebse vorkommen, sollten keine Besatzkrebse eingebracht werden. Eine Stützung der Bestände ist dann über einen Biotopschutz oder über fischereiliche Maßnahmen sinnvoll. Hierzu kann auch eine stärkere Befischung von Raubfischen zählen, da neben dem Aal auch Barsche oder Hechte, sofern sie in großen Beständen vorkommen, einen hohen Fraßdruck auf Flusskrebse ausüben können.

In der Landesfischereiverordnung Bad.-Württ. ist ein Schonmaß von 8 cm festgesetzt, gemessen von der Spitze des Kopfpanzers bis zum Ende des Schwanzes bei flach ausgelegtem Hinterleib. Die Schonzeiten wurden für die Weibchen vom 1.10.-10.7. und für die Männchen vom 1.10.-31.12. festgelegt. Außerdem dürfen Aale nicht in Gewässer mit einem sich selbst erhaltenden Steinkrebs-Bestand ausgesetzt werden.