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Kamberkrebs (Orconectes limosus)

Autor P. Dehus
Allgemeines, Lebensweise © R. Berg

Etwa zeitgleich mit der Ausbreitung der Krebspest in Deutschland im 19. Jahrhundert wurde der Kamberkrebs aus Nordamerika bei uns eingeführt und in einige Teiche im Gebiet der unteren Oder ausgesetzt. Wie alle amerikanischen Arten ist der Kamberkrebs weitgehend resistent gegen den Krebspest-Erreger.

Außerdem kann er sich auch in stärker verschmutztem Wasser gut behaupten und naturfern ausgebaute Gewässer besiedeln. Durch die zahlreichen Kanäle, die verschiedene Gewässersysteme miteinander verbinden, gelangte er leicht von der unteren Oder aus in die westlich gelegenen Flüsse. Vielfach wird seine Ausbreitung durch ein aktives Umsetzen in andere Seen und Flussabschnitte unterstützt worden sein.

Der Kamberkrebs bleibt mit einer maximalen Länge von 10 cm kleiner als Edelkrebs und Galizierkrebs. Oft kommt er in sehr hohen Bestandsdichten vor, was dann negative Auswirkungen auf das Gewässer und seine Fauna und Flora haben kann. Es sind Beispiele bekannt, dass in pflanzenreichen Seen nach einem Besatz mit dem Kamberkrebs die Unterwasserpflanzen stark zurückgegangen sind. Im Gegensatz zu den meisten anderen Arten gräbt der Kamberkrebs keine Höhlen, und er kann sich auch im Schlamm der Gewässer verstecken.

Verbreitung

Hauptverbreitungsgebiete des Kamberkrebses in Baden-Württemberg sind der Rhein und der Neckar. Im Rhein kommt er durchgehend bis zum südlichen Oberrhein vor. Im Hochrhein, zwischen Basel und Bodensee, wurde er bisher nur an wenigen Stellen nachgewiesen. Die über weite Strecken scharfe Strömungsgeschwindigkeit im Hochrhein verhindert möglicherweise eine zusammenhängende Besiedlung dieses Rheinabschnittes. Auch von den schneller fließenden Bächen und kleinen Flüssen wurden bisher keine Vorkommen bekannt. Im baden-württembergischen Teil der Donau wird der Kamberkrebs noch nicht gefunden; er kommt derzeit etwa bis Donauwörth vor. In einige isolierte Seen wurde der Kamberkrebs eingesetzt, und im westlichen Teil des Bodensees wird er inzwischen regelmäßig gefangen.

Bedrohungs- potential für einheimische Arten

Der Kamberkrebs überträgt, wie alle amerikanischen Flusskrebs-Arten, den Erreger der Krebspest. Es sind zahlreiche Gewässer bekannt, in denen in der Vergangenheit nach einem Besatz mit dem Kamberkrebs die heimischen Edelkrebse verschwunden sind.

Heute besiedelt der Kamberkrebs die meisten großen Flüsse und Kanäle sowie einige abgeschlossene Gewässer. Eine Wiederansiedlung heimischer Krebsarten ist dort nicht mehr möglich. Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aber gezeigt, dass der Kamberkrebs nicht in die kleineren und schnellfließenden Bäche vordringt. Die größeren Bestände an Steinkrebsen abseits von den großen Flüssen sind somit weitgehend sicher vor der Gefahr, dass mit dem Einwandern des Kamberkrebses die Krebspest eingeschleppt werden könnte.

Kamberkrebse sind zum Teil beliebte Angelköder für größere Welse und Aale. Wenn sie aber an Gewässern mit einheimischen Flusskrebsen verwendet werden, besteht die große Gefahr, dass der Pilz oder seine Sporen eingeschleppt und die vorhandenen Krebse infiziert werden. Krebssterben sind dann die Folge. Daher dürfen nach der Landesfischereiverordnung Bad.-Württ. zehnfüßige Krebse oder Teile davon nur als Köder verwendet werden, wenn sie zuvor abgekocht oder in sonstiger Weise keimfrei gemacht wurden.

Nach der Landesfischereiverordnung hat der Kamberkrebs als nicht einheimische Art keine Schonzeit und kein Schonmaß. Dadurch soll eine intensive Nutzung der Bestände ermöglicht und gefördert werden. Gefangene Kamberkrebse müssen angelandet und dürfen nicht in das Gewässer zurückgesetzt werden.