Infodienst Landwirtschaft - Ernährung - Ländlicher Raum Login  


Sie sind hier: Startseite > Fischereiforschungsstelle > Aquakultur, Fischproduktion > Kreislaufanlagen

Kreislaufanlagen

Autor

Dr. J. Baer

 

Warmwasser-Kreislaufanlagen (KLA) sind Anlagen zur Fischproduktion, die nahezu an jedem Standort aufgebaut werden können. Sie ermöglichen eine kontrollierte und kontinuierliche Produktion unter optimalen Wachstumsbedingungen. Durch spezielle mechanische und biologische Filter wird das Wasser von Stoffwechselendprodukten und Futterresten gereinigt und den Fischen aufbereitet wieder zugeführt, also mehrfach genutzt. Gleichzeitig wird das Wasser temperiert und somit für die Fische ganzjährig in einem für das Wachstum günstigen Temperaturbereich gehalten. In Abhängigkeit von der zu erzeugenden Fischart und Altersstufe stellt sich die benötigte tägliche Frischwassermenge dieser Anlagen im Praxisbetrieb meistens im Bereich um 10 % des Anlagenvolumens ein.

Heute ist die Erzeugung von Fisch in KLA technisch möglich. Bei entsprechenden Rahmenbedingungen kann sie durchaus eine Alternative zur herkömmlichen Tierproduktion sein. Allerdings muss für die Fischerzeugung in KLA ein sehr breites Wissen in den Bereichen Fischbiologie, Wasserchemie und -aufbereitungstechnik vorhanden sein. Außerdem ist bei einigen potenziellen Aquakulturkandidaten für KLA die ganzjährige Verfügbarkeit von Besatztieren problematisch. Vielfach führten in der Vergangenheit unerwartet langwierige Startphasen vom Anlagenbau bis zu den ersten Vermarktungserfolgen zu Konkursen durch Liquiditätsprobleme.

Zurzeit bauen insbesondere Biogasanlagenbetreiber verstärkt KLA. Denn eine Biogasanlage kann bestimmte Bonuszahlungen aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) generieren, wenn z.B. die bei der Erzeugung von Strom entstandene Abwärme in einer KLA genutzt oder aber die Biogasanlage mit Fischgülle aus einer KLA gespeist wird. Diese Bonuszahlungen können das betriebswirtschaftliche Ergebnis bei einer gemeinsamen Betrachtung beider Anlagen erhöhen, womit KLA-typische wirtschaftliche Probleme (z.B. hohe Produktionskosten), an Gewicht verlieren. Dabei muss aber bedacht werden, dass die in Betracht kommenden Boni (KWK-Bonus und Güllebonus) nur für eine geringe Strommenge gewährt werden, da a) der Wärmebedarf einer KLA, entsprechende Dämmung und Betriebsweise nach dem Stand der Technik vorausgesetzt, sehr gering ist und b) nur sehr geringe Mengen an Fischgülle anfallen. Vorausschauend planende Landwirte oder Biogasanlagenbetreiber sollten daher weniger eventuelle Boni in ihre Überlegungen für oder gegen eine Investition in eine KLA einfließen lassen, sondern vielmehr alle übrigen mit der Fischerzeugung verbundenen Aufgaben und Anforderungen berücksichtigen.

Seminar "Fischproduktion in Kreislaufanlagen - Prinzipien, Wirtschaftlichkeit, Zukunft"

Literatur

Rösch R. (2003). Ausführungen zur Wirtschaftlichkeit von Kreislaufanlagen. Baer J. (2003). Warmwasser-Kreislaufanlagen zur Speisefischproduktion in Baden-Württemberg: Eine wirtschaftliche Alternative zur herkömmlichen Tierproduktion? Landinfo (8): 19-22.
Baer J. (2004). Eignung von Zander und Streifenbarsch für Kreislaufanlagen. Fischer & Teichwirt (4): 606-608.
Baer J. (2004). Experience in establishing recirculation systems in Baden-Württemberg, Germany as a form of sustainable aquaculture. Aquaculture development - partnership between science and producer associations, Wierzba, Poland, FAO, EIFAC Occasional Paper No. 37: 105-112.
Baer, J. (2009) „Erfahrungswerte zum Freilandbesatz mit europäischen Welsen (Silurus glanis) aus einer Kreislaufanlage“, Fischer & Teichwirt, 9: 328-330.
Baer, J., Wedekind, H., Müller-Belecke, A. & Brämick, U. (2011) „Warmwasser-Kreislaufanlagen zur Speisefischproduktion: Einfluss der Kopplung mit einer Biogasanlage auf die Rentabilität der Fischerzeugung“, Fischer & Teichwirt, 62: 248-250.
Baer, J. (2011) „Fischzucht im Stall“, Schwäbischer Bauer, 20: 24 und Landwirtschaftliches Wochenblatt, 21: 49.