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Projekt
Fischmonitoring in Seen Baden-Württembergs

Projektleitung

Dr. Alexander Brinker

Projektbearbeitung

Barbara Scholz

Gefördert durch

LUBW / Institut für Seenforschung

Laufzeit

Januar 2017 - September 2021

Hintergrund/Ziele

Die Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG) verpflichtet alle EU-Mitgliedstaaten u.a. dazu, Seen mit einer Fläche von über 50 Hektar in einem guten ökologischen Zustand zu erhalten bzw. bis spätestens 2027 durch geeignete Maßnahmen in einen solchen Zustand zu überführen. Um festzustellen, ob die betreffenden Seen ökologische Defizite aufweisen, muss ihr Zustand auf der Grundlage von verschiedenen Komponenten bewertet werden. Hierzu gehört auch die Fischfauna. Die Zusammensetzung, Abundanz und Altersstruktur der Fischarten spiegeln den ökologischen Zustand eines Sees wider und können anthropogen verursachte Schädigungen des Lebensraums See aufzeigen. Baden-Württembergs Seen werden nun im Zuge dieses Projekts zum ersten Mal bewertet. Hierzu gehören fünf natürliche Seen (Titi-, Mindel-, Illmen-, Feder- und Rohrsee), drei Stauseen bzw. Talsperren (Schluchsee, Schwarzenbach Talsperre, Talsperre Kleine Kinzig) und sechs stillgelegte Baggerseen (Rußheimer Altrhein, Rohrköpflesee, Knielinger See, Insel Korsika, Mittelgrund und Erlichsee).

Arbeitsschritte/

angewandte Methoden

Um einen See in eine ökologische Zustandsklasse einordnen zu können, wird der aktuelle Zustand der Fischfauna mit einem Referenzzustand verglichen. Letzterer repräsentiert dabei die Fischfauna unter ursprünglichen, natürlichen Bedingungen. Obwohl sich in unseren Regionen kein See mehr im ursprünglichen Zustand befindet, gibt es Möglichkeiten, den Referenzzustand zu definieren. Hierzu wird der See aufgrund abiotischer Parameter einem Seetyp zugeordnet, der wiederum eine charakteristische Fischfauna beherbergt. Anhand von historischen Quellen und Expertenwissen wird eine individuelle Referenz der Seen erarbeitet.

Der aktuelle Zustand wird mit Hilfe einer Befischung nach dem europäischen CEN Standard (DIN EN 14757) erhoben. Abhängig von Größe und Tiefe des Sees wird eine vorgegebene Anzahl benthischer und pelagischer Multimaschen-Kiemennetzen eingesetzt (siehe Abbildung). Die Daten werden zudem durch Elektrobefischungen ergänzt.

Anschließend werden die gewonnenen Daten in ein Bewertungsverfahren eingespeist, das am Institut für Binnenfischerei in Potsdam entwickelt wurde. Hierbei werden verschiedene Kriterien (sog. Metrics), die die Abundanz, Zusammensetzung und Altersstruktur der Fischarten beschreiben, bewertet und anschließend zu einem Endergebnis verrechnet. Dieses gibt wiederum die ökologische Zustandsklasse an. Da es bisher nur ein am Institut für Binnenfischerei in Potsdam entwickeltes Modul für natürliche Seen des norddeutschen Flachlandes gibt, soll nun innerhalb des Projekts geprüft werden, ob das Verfahren für unsere Seen grundsätzlich angewendet werden kann, ob Modifizierungen vorgenommen werden müssen oder ein neues Verfahren entwickelt werden muss. Eine besondere Herausforderung wird die Bewertung der künstlichen Seen darstellen, für die es bisher kein etabliertes Bewertungsverfahren gibt.



Befischungsmethoden Seenbewertung

Abbildung: Illustration einer Seenbefischung.